Salla Simukka

Salla Simukka, Foto © Harri Hinkka

Wie hat Ihre Liebe zum Schreiben begonnen?

Ich denke, dass meine Liebe zum Schreiben aus der Liebe zum Lesen entstand. Ich habe immer viel gelesen und ich erinnere mich an jene magischen Momente, als ich in ein tolles Buch vertieft war und der Rest der Welt einfach verschwand. Ich fing an zu denken, dass ich gerne solche Momente für die anderen schaffen möchte. Und weil ich ein Einzelkind war, spielte ich alleine und während des Spielens erzählte ich mir selbst Geschichten. Als ich schreiben lernte, begann ich diese Geschichten niederzuschreiben. Als ich ungefähr neun Jahre alt war, dachte ich erstmals, dass ich eines Tages eine Schriftstellerin sein werde.

 

Was genau am Jugendbuchgenre hat Sie als Schriftstellerin „gepackt“? Welche Art von Geschichten möchten Sie erzählen?

Das Jugendbuchgenre gibt mir viel Freiheit. Ich muss mich nicht darauf konzentrieren, speziell für Erwachsene oder speziell für junge Leser zu schreiben. Ich kann für beide gleichzeitig schreiben und das bedeutet, dass ich über alles schreiben kann, was ich will.

Ich mag es Geschichten über Mut zu erzählen, darüber, wie man lernt Ängste zu bekämpfen, über das Treffen von Entscheidungen und über die Kraft der Liebe.

 

Salla Simukka, Foto © Ida Saari

Salla Simukka, Foto © Ida Saari

Mit welchen Büchern sind Sie groß geworden?

Ich las fast alles, Kinderliteratur und Erwachsenenbücher: Astrid Lindgren, Tove Jansson, J.R.R. Tolkien, Douglas Adams, Charles Dickens, Jules Verne, Philip Pullman, David Eddings …

 

Wie würden Sie Ihre Trilogie beschreiben?

Die drei Bände über Lumikki sind dunkle Thriller, die in unserer Gegenwart und realen Welt spielen. Die Trilogie befasst sich mit harten Verbrechen wie Drogenkriminalität. Aber sie konzentriert sich auch auf die Hauptfigur, die 17jährige Lumikki Andersson, die Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit birgt und lernen muss mit ihnen umzugehen. Die Trilogie spielt auch sprachlich, stilistisch und auf einer tieferen Ebene mit Märchen-Elementen.

 

Salla Simukka, Foto © Ida Saari

Salla Simukka, Foto © Ida Saari

Sie haben gesagt, dass es in Skandinavien eine lange Tradition starker weiblicher Charaktere gibt, die Lumikki Andersson beeinflusst haben. Können Sie uns ein bisschen mehr darüber erzählen, welche Charaktere die Erschaffung der Figur Lumikki beeinflusst haben?

Ich denke, das hat mit einer traditionellen Unabhängigkeit und Gleichberechtigung von Frauen/Mädchen und Männern/Jungen in Skandinavien zu tun, die es hier im Vergleich zu anderen Ländern schon sehr lange gibt. Wir finden es normal, dass ein Mädchen stark ist – manchmal sogar stärker als ein Junge. Wir fragen nicht: Kann ein Mädchen dies oder das schaffen? Das ist kein Thema mehr. Deshalb glaube ich, dass Lumikki vor allem durch die ganze Atmosphäre und das Mädchenbild hier in Skandinavien beeinflusst wurde. Ich wollte außerdem eine Hauptfigur, die sich nicht scheut, schnell zu handeln – schließlich sind die Bücher Thriller.

 

Welche Unterschiede sehen Sie zwischen englischen/amerikanischen Jugendbüchern und dem Genre in Skandinavien?

Ich kann nicht behaupten, mit einer ausreichend breiten Palette von Jugendbüchern vertraut zu sein, um das beurteilen zu können. Aber ich habe das Gefühl, dass skandinavische Jugendbücher etwas realistischer sind (auch wenn sie etwas Paranormales beinhalten) und vielleicht auch ein bisschen mehr zum Literarischen tendieren. Sie sind ziemlich einzigartig und haben meist eine unerwartete Wendung.

 

Was dachten Sie als Kind über das Märchen von Schneewittchen?

Es war nicht mein Lieblingsmärchen, aber ich erinnere mich, dass ich fasziniert davon war, wie viel Zeit und Energie die Böse Königin auf die Mordversuche an Schneewittchen verwendet. Und mit elf Jahren musste ich in einem Theaterstück im Englischunterricht die Böse Königin spielen. Also gab ich den Befehl, Schneewittchen zu töten und mir ihr Herz zu bringen …

 

Ihre Snow White Trilogy enthält Elemente des Märchens von Schneewittchen. Was erwartet uns in dieser Hinsicht?

In den ersten beiden Büchern spielen diese Elemente vor allem in der Sprache, in den Farben (es gibt eine Menge von rot, weiß und schwarz) und in einigen Szenen eine Rolle. Im dritten Buch gibt es ein Schul-Theaterstück namens The Black Apple, das Schneewittchens Geschichte über das Ende des Märchens hinaus erzählt. Der Prinz und Schneewittchen sind verheiratet, aber sie sind nicht glücklich zusammen. Und Lumikki spielt in dem Stück die Hauptrolle.

 

Gab es etwas Unerwartetes, als Sie Lumikkis dunkle Geschichte mit den Märchenelementen zu schreiben begannen?

Das Unerwartete war, dass das Schreiben des ersten Buches so einfach war. Ich genoss jede Sekunde davon. Es fühlte sich fast verbotenan, weil ich mich daran gewöhnt hatte, dass das Schreiben hart und schwierig ist. Aber gut, das Schreiben des zweiten und dritten Buches war des Zeitplans und Drucks wegen sehr schwierig. Rechte für die ganze Trilogie waren zu der Zeit in etwa 25 Länder verkauft, und das zweite Buch war nicht einmal fertig …

Ihre Hauptperson ist eine überdurchschnittlich dunkle 17-Jährige – was mussten Sie unbedingt beachten, als Sie dies für jugendliche Leser schrieben? Jugendbücher neigen ja dazu, heutzutage „erwachsener“ zu sein – war das für Sie eine Gratwanderung?

Ich muss sagen, ich fand das nicht besonders schwierig. Ehrlich gesagt, habe ich darüber gar nicht nachgedacht. Ich schrieb, was mich als Schriftstellerin interessiert. Vielleicht habe ich noch ein jugendliches Gemüt, das für Jugendbücher und ein junges Publikum zugeschnitten ist.

 

Sie sind auch Kritikerin – denken Sie, dass Ihre Erfahrung als Rezensentin Ihr Schreiben in irgendeiner Weise behinderte?

Nein, ich denke nicht. Und als Rezensentin weiß ich, dass man als Schriftsteller nicht an die Kritiker denken darf. Der Autor muss schreiben, was er gut, wichtig und interessant findet. Man kann nicht kontrollieren, was die Rezensenten dann darüber denken werden.

Was soll ein junger Leser Ihrer Trilogie über Lumikki verstehen oder mitnehmen?

Ich hoffe, dass sie verstehen, warum Lumikki so ist, wie sie ist; wie sie die Person geworden ist, die sie ist. Und vielleicht verstehen die Leser auch etwas über sich selbst – was es ist, hängt von jedem Leser ab.

Dieses Interview wurde für den Blog >> POP.EDIT.LIT geführt und auf Englisch veröffentlicht